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Weber, Sombart und die neuere Kapitalismustheorie
Der Beitrag zeigt, dass Webers und Sombarts Ansätze eine Brücke bilden können, um die sozio-historische Analyse des Kapitalismus mit Diagnosen des gegenwärtigenKapitalismus zu verbinden. Insbesondere Max Webers Theorie bietet für eine solche wechselseitige Bezugnahme ein tragfähiges Fundament. Mit ihrer Fortführung kann einer solchen Verknüpfung ein differenzierungstheoretisches Verständnis kapitalistischer Entwicklung zugrundegelegt werden, das sich von vielen "Gleichungen" und "Gesetzen" des Mainstreams der älteren Kapitalismustheorie verabschiedet. Auf diese Weise lässt sich die Kapitalismustheorie als Wirtschaftssoziologie reformulieren. Eine solche Reformulierung kann aus einigen konzeptionellen Sackgassen der älteren Kapitalismustheorie heraushelfen und es erlauben, von ihrer "gesellschaftstheoretischen Überfrachtung" Abstand zu nehmen, ohne auf gesellschaftstheoretische Bezüge verzichten zu müssen. Es werden zunächst die deutsche Kapitalismustheorie zu ihrer Blütezeit im ersten Viertel des vergangenen Jahrhunderts kurz vorgestellt, was die Weberschen und Sombartschen Perspektiven vom marxorientierten Mainstream unterscheidet und wo sie mit diesem konform gehen. Dies geschieht unter Bezugnahme auf ein Verständnis des Kapitalismus als einer "koexistierenden" Wirtschaftsweise, auf die Möglichkeiten der Verknüpfung von Handlungs- und Strukturebene, auf die Theorie des okzidentalen Rationalismus als konzeptionelle Klammer und auf Entwicklungsvorstellungen, die differenzierungstheoretisch inspiriert die Zukunft offen halten. Abschließend wird resümiert, wo und wie ein differenzierungstheoretisches Verständnis des Kapitalismus seine Ansatzpunkte findet
Die "Desorganisation" der Tiger - Die neue Phase wirtschaftlicher Modernisierung in Südkorea und Taiwan
Obwohl die Turbulenzen der asiatischen Finanzkrise überstanden sind, ist noch keine Ruhe in der ökonomischen Entwicklung der asiatischen 'Tigerstaaten' eingekehrt. Die Gründe dafür liegen, so die im Beitrag entfaltete These, in einer ökonomischen und gesellschaftlichen Übergangsphase, in der die alten Muster ökonomischer und gesellschaftlicher Entwicklung zunehmend obsolet werden, aber die Konturen neuer Gestaltungsformen noch unscharf bleiben. Südkorea und Taiwan befinden sich an einer Wegscheide zwischen einem familialen und einem Managerkapitalismus, einer Aufrechterhaltung neotraditionaler Arrangements und einem neuen Sozialpakt, einer korporatistischen Steuerung der Wirtschaft und der Heraufkunft eines 'Post-Entwicklungsstaates'. An dieser Wegscheide werden in beiden 'Tigerökonomien' die Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle der Gründerzeit 'desorganisiert', aber diese 'Desorganisation' wird je nach Entwicklungspfad ganz unterschiedlich verarbeitet
Ökonomische Eliten in Ostdeutschland
Die schlagartige Einführung der Marktwirtschaft in den neuen Bundesländern erweist sich rückblickend als Ursache der permanenten Krisenanfälligkeit der ostdeutschen Wirtschaft. Im Modernisierungswettlauf war zwar die Ziellinie der ökonomischen Angleichung politisch vorgegeben, aber der Weg, diese zu erreichen, wurde nicht - wie in anderen Schwellenökonomien - vor einer Strukturunterschiede verschärfenden globalen Wirtschaft politisch geschützt. Diese Modernisierungskonstellation, so zeigt der vorliegende Beitrag, entfaltete aber erst ihre - den Entwicklungspfad der ostdeutschen Wirtschaft prägende - Wirkkraft durch die mit der Elitenzirkulation zur Geltung kommenden Trägerschichten und deren Handlungsrationalitäten. Die Ausführungen zeigen Folgendes: Der Untergang der "ideologischen Elite" (Kader) geschah in Ostdeutschland von heute auf morgen. Die nationale Elite wurde schnell ausgetauscht, ihre Positionen entfielen mit der Entflechtung der Kombinate. Eine nachfolgende Konvertierung von politischer in wirtschaftliche Macht - wie sie viele Autoren für Osteuropa beschreiben - fand nicht statt. Auch der Slogan "from plan to clan" lässt sich auf die ostdeutsche Industrie nicht anwenden: Soziale Netzwerke, Familienbindungen spielten im Transformationsprozess (zunächst) kaum eine Rolle. So war die "Schattenwirtschaft" oder second economy auch nicht - wie in Ungarn, Russland und Polen - der Übungsplatz für die neue ökonomische Elite in der ostdeutschen Industrie. Vor diesem Hintergrund erscheint der Transformationsprozess in Ostdeutschland hinsichtlich der wirtschaftlichen Positionseliten als ein "Sonderweg", der sich weder einfach als "Kolonialisierung" noch als "Elitenreproduktion" fassen lässt
Zur Effektivität kommerzieller Beratungsleistungen in der ostdeutschen Strukturkrise
Um den Gedanken einer Erfolgskontrolle von Beratungsleistungen zu retten, muß die Ebene der Handelnden und ihrer Vereinbarungen eingeblendet werden. Am Beispiel der kommerziellen Beratungsleistungen während der ostdeutschen Strukturkrise wird gezeigt, daß nicht nur die Etablierung von Beratung schwierig war, sondern die Akteure häufig von der Beratung enttäuscht waren. Ein für die Unternehmen im Aspekt der notwendigen Strukturänderungen erfolgloses Beratungsgeschäft war keine Seltenheit. Die Effektivität der Beratung erwies sich als an hohe Voraussetzungen geknüpft und diese keineswegs als Allzweckmittel, den Wandel der Organisation voranzutreiben
Management, Organisation und kapitalistische Entwicklung: Südkorea und Taiwan im interkulturellen Vergleich
Der Autor vergleicht die ökonomische Struktur, das Management und die Organisationskultur in Südkorea und Taiwan, um einen Beitrag zur Bestimmung der kapitalistischen Entwicklungspfade der beiden asiatischen Länder zu leisten und auf die viel diskutierte Frage zu antworten, ob es sich hierbei um innovative Kapitalismusformen handele. Er untersucht die unterschiedliche Stellung der beiden Länder in ihrer Rolle als semipheriphere Ökonomien, die in einer bestimmten Beziehung zu den Zentrumsökonomien stehen. Gezeigt wird, dass sich der Aufstieg von Niedriglohnländern zu weltwirtschaftlich integrierten Finalproduzenten in beiden Ländern auf unterschiedlichen organisatorischen und wirtschaftsstrukturellen Grundlagen vollzog. In Südkorea dominieren z.B. hierarchisch koordinierte Großunternehmensgruppen (Chaebol), während in Taiwan eher kleine und mittlere Familienunternehmen die Wirtschaftsstruktur prägen. Die geschlossene Elitenstruktur in Südkorea führte dabei zu größeren Spannungen als die hohe Elitenzirkulation und offene Elitenstruktur in Taiwan. Insofern konnte in Taiwan die für Korea typische Kluft zwischen Strategie und Organisationsstruktur der Chaebol vermieden werden. In beiden Ländern lässt sich insgesamt eine Pfadabhängigkeit kapitalistischer Entwicklung beobachten, wobei die beiden Schwellenökonomien auf den Konkurrenz- und Konvergenzdruck der Weltwirtschaft unterschiedlich reagieren
Die Meuterei auf der Bounty - Über Revolution und einige der Mythen, die sich um sie ranken
Ziel des Aufsatzes ist es, am Beispiel der Meuterei auf der Bounty einen kleinen Beitrag zur Soziologie der Revolutionen - im Sorokinschen Sinne - zu leisten. Das heißt, die "sehr seltsamen und romantischen" (Sorokin) Erscheinungen einer Revolution mit den Theorien und Mitteln eines Sozialforschers zu betrachten. Auch wenn der Fall nicht in allen Einzelheiten für die Dynamik großer Revolutionen stehen kann, ist er doch geeignet, einige kulturbedeutsame Mechanismen revolutionären Wandels auf den Punkt zu bringen. Um die idealtypischen Annahmen in diesem Entwurf einer "Soziologik" der Revolution zu belegen, werden als weitere Referenzen die Französische und die Badische Revolution herangezogen. Sie sind Paradebeispiele für einen endogenen revolutionären Wandel, dessen "Soziologiken" auch bei anderen als nur bei den sog. bürgerlichen Revolutionen beobachtet werden können. Die Ausführungen zeigen, dass Revolutionen in der Regel gerade nicht das sind, als was sie in der Neuzeit firmieren: schlagartige, radikale Umwälzungen im Bau von Gesellschaften. Fast scheint dies ein generelles Merkmal vieler Revolutionen zu sein: dass sie eine (gleichwohl zukunftsoffene) Evolution von Werthorizonten beschleunigen, ihre Energie aber in diesem Prozess samt ihren Akteuren gänzlich aufgezehrt und verbrannt wird. Revolutionen sind aus der hier entfalteten Perspektive selbst Produkt eines viel langsameren sozialen Wandels, den sie mit noch so revolutionärem Nachdruck nicht determinieren können
Die neue Kulturtheorie und der Streit um Werte
Der Essay kommentiert den Band Samuel P. Huntington / Lawrence E. Harrison (Hrsg.) "Streit um Werte. Wie Kulturen den Fortschritt prägen" (Hamburg/Wien: Europa Verlag 2002). Kulturen bewegen die Sozialwissenschaften nicht erst, seit Huntington sie mit einem Paukenschlag neu auf ihre Agenda setzte. Dennoch macht sich die Reichweite des "cultural turn" der 1980er Jahre erst heute in den Sozialwissenschaften richtig bemerkbar. Dies findet auch in der für den Autor gewagten Transformation des englischen Titels des von Huntington und Harrison herausgegebenen Sammelbandes von "Culture matters" in "Streit um Werte" seinen Ausdruck und in der Art und Weise, wie in den USA die Arbeit am Paradigma einer kulturzentrierten Erklärung von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung wieder aufgenommen wird. Kultur kommt dabei nicht mehr ungefähr, als Rest- oder Sammelkategorie für Unaufgeklärtes ins Spiel, sondern als klar konturierter, als dominant erachteter Erklärungsfaktor. Für dieses Programm steht der Sammelband. Der Rezensent bemisst das "kulturzentrierte Paradigma" daran, wie stark es sich auf die Webersche Theorie beziehen lässt und durch einen solchen Rückbezug gewinnen kann
Strategie, Management und hierarchische Organisation. Barrieren organisationalen Wandels am Beispiel der Wirtschaftskrise in Südkorea
Die unterschiedlichen Betroffenheiten der asiatischen Schwellenländer während der asiatischen Finanzkrise haben nochmals klargemacht, dass der asiatische Kapitalismus nicht durch einen homogenen Pfad kapitalistischer Entwicklung, sondern durch mehrere divergente Pfade gekennzeichnet ist. Der Artikel interessiert sich vor diesem Hintergrund für die Ursachen des drastischen Kriseneinbruchs in Südkorea. Er versucht aufzuzeigen, dass neben den auf der Ebene von Markt und Staat identifizierten Ursachen auch Faktoren auf der Ebene von Organisation und Management eine Rolle spielen. Es wird die Annahme formuliert, dass der Mitte der 90er Jahre in wichtigen Branchen aufwendig versuchte Strategiewechsel der südkoreanischen Unternehmensgruppen mit dem Ziel eigenständiger Produktinnovationen, des Aufbaus von FuE und der Entwicklung eigener Markennamen nicht von einem entsprechenden Wandel der Organisationsstrukturen begleitet war. Das Management der südkoreanischen Unternehmensgruppen, der Chaebol, hielt statt dessen an dem Modell der hierarchischen Großorganisation mit autokratischen Entscheidungsstrukturen, konservativer Organisationsgestaltung und geringer Ausbildung interorganisationaler Netzwerke fest. Der versuchte Strategiewechsel und das daraufhin entstehende Missverhältnis zwischen Strategie und Struktur sorgten unter anderem, so die Annahme, für eine stark erhöhte Unternehmensverschuldung, deren Preis dann in der asiatischen Finanzkrise gezahlt werden musste
Management und Führung. Eine managementsoziologische Perspektive
Der Autor beleuchtet zum einen die gesellschaftlichen Strukturen, die den Managern besondere Macht- und Einflusschancen im Verlauf ihrer Karriere eröffnen und sie anderen Personen verschließen. Zum anderen untersucht er die Ausstrahlungseffekte dieser hervorgehobenen sozialstrukturellen Positionierung in den Unternehmen selbst und fragt danach, ob das dem Veränderungsmanagement zugrunde liegende Führungsgeschehen davon beeinflusst wird. Er versteht Organisationen als komplexe Systeme, die mit Intentionen und Absichten der Akteure nach eigenen Regeln agieren und daher eine gesellschaftliche Praxis bilden. Der Autor skizziert zunächst die Entstehung des neuen sozialen Standes der Top-Manager und gibt einen zahlenmäßigen Überblick über ihre sozialstrukturellen Merkmale und Qualifikationen. Er zeigt anschließend, wer heute dem Top-Management in Deutschland angehört und beschreibt die "generationale Lagerung" der Führungskräfte. Um die Frage zu beantworten, was von dem gegenwärtig stattfindenden Generationswechsel im Management zu erwarten ist, diskutiert er abschließend die Beziehung zwischen "Veränderungsmanagement" und Führung
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